danceroulette - die Aufhebung der fünften Wand

(check back for an english translation!)

Neben Youtube, Facebook und Twitter hat sich in letzter Zeit eine weitere Internetseite in den Fokus der Webavantgarde geschoben.

Chatroulette.com ist ein Videochat der durch einen simplen Klick auf „New Game“ aktiviert wird. Hierzu ist es weder nötig sich einzuloggen, noch andere persönliche Daten preiszugeben. Einzig das Bild, das über eine Webcam übertragen wird, dient zur Identifikation des Benutzers. Die alleinige Kontrollmöglichkeit ist ein „Next“ Button, dessen Funktion es ist, sich mit dem nächsten zufälligen Fremden („random stranger“) verbinden zu lassen. Das ganze ist in keinster Weise kontrollierbar, somit wird hier alles dem Zufall überlassen.  Kommunikation wird arbriträr – allgemeingültige „Werte“ des Alltags wie kulturelles Kapital, soziale Herkunft und Nationalität werden schlicht aufgehoben.

 

Diese recht einfache Idee wird derzeit als das nächste Große Ding gehandelt. Berichte in der New York Times, im Spiegel und anderen größeren Publikationen konnten dieses Randphänomen binnen kürzester Zeit ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit rücken. Entwickelt wurde die Internetplattform von einem 17 jährigen russischen Gymnasiasten Ende 2009. Derzeit zählt die Website ca. 1,5 Millionen Besucher am Tag. Wobei gleichzeitig über 50.000 Menschen Online sind.

 

Viele sehen in dieser Internetplattform enormes Potential für künstlerisches Arbeiten (nachzulesen z.B. auf http://art-roulette.tumblr.com). Daneben bietet die Anonymität natürlich auch einen wunderbaren Nährboden für allerhand Kuriositäten und deviantes Verhalten. In unserer Performance Danceroulette konfrontieren wir random strangers mit der Bühnensituation. Sie werden mittels Beamer live zugeschalten, ihre Reaktion bestimmt den weiteren Verlauf der Aufführung. Es werden ihnen vier Optionen präsentiert mit denen sie die Tänzer_innen auf der Bühne kontrollieren können. Natürlich bleibt hier auch die Möglichkeit auf Unvorhergesehens mittels Improvisation einzugehen.

 

Zentrale Ideen stellen die Aufhebung der Rollenverteilung als auch der klassischen Bühnensituation dar. Indem die klassische Bühnensituation durch ein zufälliges Publikum erweitert wird, das noch dazu nicht einmal willentlich der Aufführung beiwohnt, wird eine weitere Ebene erzeugt, die so noch nicht dagewesen ist. Es war zu keiner Zeit davor technisch möglich dieses Zufallspublikum (also die random strangers) ins Bühnengeschehen eingreifen zu lassen, oder es überhaupt mit der Bühnensituation zu konfrontieren. Es handelt sich sozusagen um ein Aufbrechen der fünften Wand, also des Theatergebäudes generell. Jedoch nicht, wie in vielen Experimenten und Performances, die es sich zur Aufgabe machen das Theater nach außen zu tragen - also beispielweise in der Fußgängerzone einem unvorbereiteten Publikum zu begegnen - sondern wird hier vielmehr von innen heraus der Rahmen gesprengt und gleichzeitig bedient. Es ist also ein Publikum involviert, das bis jetzt noch nicht existent, schlicht unvorstellbar war. Da die random strangers die Möglichkeit haben, aktiv als Choreographen aufzutreten wird außerdem die Rollenverteilung aufgehoben.

Spielregeln

Es wird den random strangers angeboten, aus vier choreographischen Elementen (welche sich bei jedem Einsatz automatisch variieren) ein Stück zu entwickeln - das sind die Spielregeln. Dass ihnen die Wichtigkeit dieser Rolle möglicherweise nicht bewusst ist, sie immer auch nur – im Gegensatz zum real anwesenden Publikum - einen kurzen Ausschnitt der Aufführung sehen können, ist Teil des Konzepts. Falls dieses Angebot anders interpretiert wird, und die random strangers etwas unvorhergesehenes vorschlagen bzw. fordern, versuchen die Tänzer auf der Bühne darauf einzugehen, was insgesamt ein Gesamtkonstrukt aus vorgefertigten und rein improvisierten Einzelteilen ergibt, deren Aneinanderreihung ein für das anwesende Publikum „komplettes“ Stück ergibt.

Diese Arbeitsweise erinnert an Merce Cunningham, welcher durch die choreographisch angewandte Aleatorik eine neue Ästhetik und ein neues Zeitalter im Tanz eingeläutet hat. Wir haben dieses Prinzip übernommen und stark vereinfacht, wodurch zwar eine klare Hommage, jedoch nur eine vage Parallele entstanden ist. Die Variation besteht in unserem Fall in der Vermenschlichung des Würfels, der nun der random stranger ist, welcher jedoch wiederum zufällig von einem Internetprogramm ausgewählt - also ausgewürfelt - wird.

Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, dass wir die Atmosphäre, den Inhalt und den Ablauf der Performance nicht von vornherein bestimmen können. Von einer Dada-Performance mit Chaoscharakter bis zu einem choreographisch anspruchsvollen, in sich geschlossenen Stück kann alles entstehen. Wir können hiermit auch keine letztgültigen Aussagen transportieren, da die Performance selbst keiner Grundaussage unterliegt, sich vielmehr dem Variantenreichtum stellt und prozesshaft, mithilfe des Publikums, der random strangers, der Tänzer_innen und der Grundelemente ein Stück entwickeln soll. Wir arbeiten ausschließlich mit formalen Aspekten. Wie diese von den jeweils Anwesenden interpretiert werden bleibt offen.

 

Die Optionen

Zur Auswahl stehen die vier Optionen: Time, Space, Music und Movement. Diese thematisieren die Möglichkeiten sich tänzerisch zu bewegen. Denn „Dance is Movement in Time and Space“.

Time

Eine zuvor bestimmte Aktion (die sich von mal zu mal ändert) wird von den Tänzern plakativ in ihren zeitlichen Variationen dargestellt. Um die Bedeutung von Time und Duration in wenigen Sekunden darzustellen, werden von slow motion bis fast forward sämtliche Zeitparameter abgehandelt.

Space

Diese Option widmet sich dem Raum in dem performt wird. Sie geht vom Bild eines Atoms aus, in dessen Zentrum zwei Tänzer_innen versuchen eine Bewegungsqualität zu finden, die den Atomkern symbolisiert. Zentral, dicht und ohne Zwischenräume, zwei menschliche Körper werden zu Plastilin, formbar und zäh. Rundherum bewegen sich die Elektronen, so schnell und hektisch wie möglich, um den Raum durch reine Schnelligkeit und Weitläufigkeit der Bewegungen zu definieren. Stilistisch gibt es keinerlei Vorgaben, nur die Musik erzeugt eventuelle Reaktionen bei den Tänzer_innen. Diese sollen weder provoziert, noch bewusst ausgeklammert werden. Auch beispielsweise Laufen und Springen als „neutrale“ Bewegungsformen kommen in frage.

Movement

Eine choreographierte Sequenz wird immer zur selben Musik ausgeführt. Bei jeder erneuten Aufforderung verändert sie ihren Charakter durch andere Raumrichtungen, Tänzerkonstellationen etc. - wobei immer mit dem selben Bewegungsmaterial gearbeitet wird.

Music

In der Option Music wiederholen wir das Prinzip der Aleatorik im Detail. Die Performer bestücken eine 200 Titel umfassende Datenbank mit jeweils 20-sekündigen Samples aus Musikstücken. Diese werden zufällig, mittels der Shuffle Funktion eines Ipods ausgewählt. Die Tänzer_innen bewegen sich dazu völlig frei improvisiert, und werden immer wieder aufs Neue mit einer unerwarteten Aufgabe konfrontiert.

Michael Aniser & Isabel Walter

Berlin, am 17.3.2010
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new video!

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ask us anything:

do you want a night of danceroulette at your venue, at your festival or at your party? it’s fun, everybody can join! just ask us here: http://danceroulette.tumblr.com/ask

here is a another video, it was the stage test for the actual performance. we upload a vid of yesterdays performance asap!

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thanks to everybody!

thanks for watching our performance tonight, i’m sorry that we didn’t have audio on ustream! anyway, if you want to watch it, its here: http://www.ustream.tv/recorded/5452471

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livestream

tonight at 9:30pm at around 9:45 CET we broadcast live from tanzfabrik berlin! the ustream is embedded below. if it doesnt work for you, here is the direct link to our ustream channel: ustream/danceroulette

Free Videos by Ustream.TV

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tonight’s the night

Rules of the game:

we connect with random strangers on chatroulette.com, they (or the audience) can control the dancers on stage.There are four options to choose from:

  • time
  • movement
  • space
  • music

The four options include different sequences, developed by choreographers Isabel Walter and Rose Beermann. Eight dancers are placed on stage. Nobody knows whats going to happen. Let’s see:)

Everybody is invited to join and participate in this performance - the game starts at 9:30 pm(Open end)

@tanzfabrik berlin - Möckernstraße 68 10965 Berlin

+49-30-7865861

danceroulette@gmail.com

how to get there?

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featured:

we got featured on literatursinn, an austrian culture and literature magazine:“Random acts of kindness” and on the art-roulette blog
be sure to check out our twitter stream for everything else: @danceroulette

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the rules

we connect with random strangers on chatroulette, then we ask them if they want to control the dancers on stage - if they say yes, we present them with four options:

  • time
  • movement
  • space
  • music

now they have to choose one. the four options are different sequences, developed by choreographers isabel walter and rose beermann. there are 8 dancers on stage, and believe me, they really get exhausted when switching between options;)

just write us for more informations: danceroulette@gmail.com

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rehearsals

we rehearsed a lot the past weeks, and are ready to go on stage tomorrow 13.3. and on sunday 14.3. at tanzfabrik berlin (first steps to choreography program). hopefully we find some interesting people to play with, and no cocks;)

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